Depressive Störungen


Depressive Störungen zählen zu den häufigsten Krankheitsbildern, die in der Psychotherapie behandelt werden. Depressive Störungen treten in unterschiedlichen Schweregraden auf und können in folgende Kategorien unterteilt werden:  

·        akute depressive Störungen, die in einer belastenden Lebenssituation auftreten

·        sich schon lange hinziehende bzw. immer wieder auftretende depressive Störungen.

Übersicht:

Was sind depressive Störungen?  
Woher kommen depressive Störungen?
 
Diagnostik und Therapie gegen depressive Störungen
Behandlung gegen depressive Störungen in der Abteilung Psychotherapie und Psychosomatik  

Was sind Depressive Störungen?  

Unter depressive Störungen wird allgemein eine niedergedrückte, traurige Stimmung verstanden. Die Fähigkeit traurig zu werden, ist jedoch eine Reaktionsmöglichkeit der Seele, um Lebensveränderungen zu verarbeiten. Es gibt viele Erfahrungen, die uns traurig werden lassen, so z.B. der Verlust von Freunden oder vertrauten Menschen, aber auch einer vertrauten Umgebung. Auch Veränderungen der Lebenssituation, die mit Verlust einer wichtigen Person, einer Funktion oder gar der eigenen Gesundheit das Gleichgewicht erschüttern, können große Traurigkeit (depressive Störungen) auslösen. Diese Traurigkeit vergeht meist nach einiger Zeit wieder „die Zeit heilt Wunden“, bei manchen Menschen verstärken sich jedoch die Symptome zu depressiven Störungen und sie finden alleine den Weg nicht mehr heraus, vielmehr drohen depressive Störungen zu chronifizieren mit den charakteristischen Zeichen:  

Es kommt zu Antriebslosigkeit, die Betroffenen müssen sich zu allem aufraffen, nichts macht mehr Freude, die Konzentration leidet, sie sind zerstreut, die Genussfähigkeit erlischt, das Essen schmeckt nicht mehr, der Schlaf ist schlecht, sogar die Musik bringt nicht mehr in Schwung. Menschen, die häufiger an depressiven Phasen leiden, berichten hinterher oft davon, dass ihre Lebensenergie dann wie blockiert sei, entweder so tief blockiert, dass sie sie überhaupt nicht mehr spüren oder sie verspüren noch, wie Impulse entstehen, diese aber, da sie sofort blockiert  werden, nicht mehr in Handlungen umsetzen können. 

Auch der Kontakt zu Freunden oder der Familie bedeutet nur noch Anstrengung. Die Betroffenen fühlen sich schnell erschöpfbar, kraftlos, schwer und leer, sehen alles „grau in grau“, die Gedanken sind durchweg negativ. Da sie sich nutzlos und wertlos vorkommen, ziehen sie sich schließlich von der Familie und von Freunden zurück. Es macht sich ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung breit, bei manchen an depressiven Störungen erkrankten Menschen beziehen sich die durchweg pessimistischen Gedanken auf die Zukunft, andere wiederum bleiben in einem Kreislauf des Grübelns über die Vergangenheit verhaftet, der ebenso von durchwegs negativen Gedanken durchzogen ist. Dieser depressive Rückzug (depressive Störungen) ist gleichzeitig von schweren Schuldgefühlen begleitet.  

Häufig zeigen sich depressive Störungen hauptsächlich in körperlichen Beschwerden bis hin zu quälenden Schmerzzuständen, so dass diese im Vordergrund stehen und die Betroffenen zunächst den Arzt aufsuchen müssen, um diese abzuklären. Obwohl keine organische Ursache gefunden wird, dauert es oft lange, bis die Diagnose der larvierten depressiven Störungen, das bedeutet hinter den körperlichen Beschwerden verdeckte depressive Störungen, gestellt wird. Meistens geht dieser Prozess langsam und schleichend vor sich. Häufig wird die Umwelt zuerst aufmerksam, die Familie, Freunde oder die Arbeitskollegen sind besorgt über die Veränderung, über den Rückzug und die Kontaktverarmung des an depressiven Störungen erkrankten Angehörigen. Aber diese Besorgnis erreicht die Betroffenen nicht wirklich, für sie ist alles sinnlos geworden und sie denken nicht selten, dass ihre Umgebung ohne sie besser und leichter leben würde. So dass in der Depression (depressiven Krise) auch Gedanken an „nicht mehr da sein wollen“, an Suizid auftreten können.  

Woher kommen depressive Störungen?  

Die Betroffenen verstehen es meist nicht, haben keine Erklärung hierfür. Auch die Umgebung forscht nach den Ursachen der depressiven Störungen, die jedoch meist nicht so schwerwiegend zu sein scheinen, dass sie diese Reaktion oder die lange Dauer der depressiven Störungen erklären. Denn unter den aktuellen Auslösern der depressiven Störungen  - wie z.B. der Verlust einer nahen Bezugsperson durch Scheidung, Trennung, Tod, aber auch Schwierigkeiten am Arbeitsplatz oder Arbeitsplatzverlust, Verlust einer vertrauten Umgebung durch Umzug - liegen häufig ganz frühe und deshalb besonders tiefgreifende Erfahrungen von Verlust im Kindesalter.  

Hier können der frühe Verlust von Mutter oder Vater durch Trennung oder Tod, die die so notwendige Geborgenheit und Sicherheit des Familienbandes jäh unterbrechen, tiefe Wunden in der sensiblen Entwicklungsphase der frühen Kindheit reißen. Auch Unterbringung in Heimen oder Pflegefamilien oder viele Wechsel der frühen Bezugspersonen können, wenn diese nicht gelingen, lebenslange Spuren hinterlassen. Ebenso tiefgreifende Folgen in Form depressiver Störungen haben harte Versagungen in der Kindheit, die sogenannte „strenge Erziehung“, die wichtige kindliche Impulse unter harter Strafandrohung hemmt.  

Wenn es wenig Geborgenheit und Anerkennung gab, wenn Kindheit unter dem Druck von Angst, hohem Leistungsanspruch und Anpassung stand, dann kann sich das nicht ausbilden, was dem Erwachsenen später die Kraft für schwierige Situationen gibt: ein gesundes und kräftiges Selbstbewusstsein, das über ausreichendes Zutrauen in sich und andere verfügt, mit der Fähigkeit, sich dort, wo es notwendig ist, abzugrenzen, aber sich auch anzupassen, um all die anstehenden Krisen in einem Erwachsenenleben zu meistern.  

Diese frühen Erfahrungen sind sozusagen über die Zeit hinweg abgekapselt worden, die „heilende“ Zeit hat vieles „verwischt“, das Leben ging weiter. Viele Betroffene haben in der Zwischenzeit gut „funktioniert“. So neigen häufig Menschen zu depressiven Störungen, die ihr Leben bisher gut gemeistert, die sich sogar besonders angestrengt haben, um sich trotz dieser frühen Verluste und Hemmnisse durch erschwerte Bedingungen durchzukämpfen. Gerade bei ihnen, die vielleicht aufgrund ihrer ganz besonderen Erfahrung außerordentlich leistungsstark sind, taucht plötzlich – bei einer Partnertrennung, wenn die Kinder aus dem Haus gehen oder der Arbeitsplatz verloren geht – dieses tiefe Gefühl der Nutz- und Sinnlosigkeit wieder auf. Erst durch diese aktuelle Trennung oder auch eine Folge von „Trennungen“ brechen die alten Wunden wieder auf, und aus einer möglicherweise vorübergehenden Traurigkeit werden depressive Störungen, aus der die Betroffenen nicht mehr allein nicht herausfinden, sie vielmehr dringend einer Hilfe von außen bedürfen.  

Diagnostik und Therapie gegen depressive Störungen:  

Wenn der Zustand depressive Störungen noch nicht zu weit fortgeschritten ist, ist die ambulante Psychotherapie das Mittel der Wahl, gegebenenfalls mit medikamentöser Unterstützung. Wenn ambulante therapeutische Maßnahmen sowie eine antidepressive Medikation nicht ausreichen oder die depressiven Störungen bereits zu chronifizieren droht, dann ist das umfassende therapeutische Angebot einer psychosomatischen Fachklinik notwendig.  

Hier kommt der Herausnahme aus dem beruflichen und häuslichen Umfeld eine besondere Bedeutung zu, da häufig die soziale Umgebung eine starke Beteiligung an der Symptomatik hat. Die durch die Klinikaufnahme bewirkte momentane Entlastung schafft eine notwendige Distanz, aus der es oft leichter möglich ist, die häuslichen Schwierigkeiten zu reflektieren. Eine psychosomatische Klinik bietet darüber hinaus den Rahmen einer therapeutischen Gemeinschaft, in dem Begegnungen und Auseinandersetzungen erleichtert möglich sind. Andererseits bietet sie durch verabredete Regeln und die Hausordnung ausreichend Struktur, um dem an einer depressive Störungen erkrankten Patienten zu Beginn der Behandlung den notwendigen Halt zu geben. 

Ein vielfältiges Therapieprogramm sowie intensive ganzheitliche Behandlungsansätze helfen verschüttete Gesundheitsressourcen wieder freizulegen und die inneren Kraftquellen für einen gesünderen Neuanfang zu aktivieren.  

Behandlung depressiver Störungen in der Abteilung Psychotherapie und Psychosomatik  

In unserer ganzheitlichen psychosomatischen Behandlung depressive Störungen von 4 – 6 Wochen Dauer, die wir in der ABTEILUNG PSYCHOTHERAPIE UND PSYCHOTHERAPIE DER HARDTWALDKLINIK I durchführen, verwenden wir Verfahren, die Ergebnisse aus der Tiefenpsychologie, Verhaltenstherapie und Gestalttherapie zusammenfassen. Dies geschieht auf der Grundlage eines humanistischen Menschenbildes in einem hochstrukturierten und zeitlich sehr komprimierten Verfahren. Wir arbeiten mit einer Kombination von Einzelgesprächen und Gruppentherapien, kreativen Verfahren, körperorientierten Ansätzen und medizinischen Anwendungen sowie mit klassischen Anwendungen von Badeabteilung, Physikalischer Therapie und Krankengymnastik.  

Die Behandlung depressive Störungen gliedert sich in 3 Abschnitte:  

  • ·        Einstiegsphase

  • ·        Behandlungsphase

  • ·        Abschlussphase  

Depressive Störungen - Einstiegsphase  

In dieser Phase steht am Anfang der Behandlung depressive Störungen die ausführliche Diagnostik, die in den ersten Tagen erfolgt. Nach einer gründlichen Anamneseerhebung und einer eingehenden klinischen Untersuchung unter Einbeziehung medizinischer Vorbefunde wird - ausgerichtet auf die persönlichen Bedürfnisse und unter Berücksichtigung der Therapieziele - ein individueller Therapieplan erstellt. Bei Bedarf wird auch eine ausführliche testpsychologische Untersuchung durchgeführt.  

Sowohl bereits bei Beginn der Behandlung als auch im Verlauf kann eine begleitende medikamentöse antidepressive Therapie diese unterstützen und fördern. Ihr Einsatz erfolgt immer nach Absprache und mit Einwilligung der Patienten.  

Durch diese umfangreiche Anfangsdiagnostik, die im Sinne einer beginnenden Therapie die zu bearbeitenden Problembereiche ins Bewusstsein rückt, findet eine optimale Fokussierung auf die zu bearbeitenden Problembereiche statt. Daneben finden aber auch die gesunden Anteile der Persönlichkeit ein besonderes Augenmerk, da unsere ganzheitlich orientierte Therapie nicht nur auf die kranken Anteile der Persönlichkeit orientiert ist, sondern in besonderem Maße auf die Bewältigungsstrategien und gesunden Anteile der Patienten abzielt.  

Depressive Störungen - Behandlungsphase 

Im Mittelpunkt der Behandlung stehen die unterdrückten bzw. gehemmten, nicht zugelassenen Impulse des Patienten. Diese vitalen Impulse des Patienten gilt es immer wieder aufzugreifen und ihn dabei zu unterstützen, Kontakt mit seiner Lebendigkeit aufzunehmen, die ihm zur Zeit so schwer zugänglich ist. 
Häufig handelt es sich hier um aggressive, Lebensraum greifende Impulse, die viel mit dem Thema Abgrenzung und Verweigerung zu tun haben. Bei Menschen mit depressiven Störungen ist das NEIN blockiert. Häufig geht diese Blockade oder Hemmung weit zurück in die Kindheit. Die Herausarbeitung dieser vitalen aktiven Impulse ist deshalb ein Kernstück der Therapie gegen depressive Störungen.  

Von grundlegender Bedeutung und abhängig vom Schweregrad der depressiven Störungen ist deshalb die Bearbeitung des biografischen Hintergrundes. Woher beziehen diese depressiven Haltungen ihre Wurzeln? Dies ist wichtig für den Betroffenen, um sich besser verstehen und akzeptieren zu lernen.  

Auf der anderen Seite wird hiervon abhängen, ob es in der weiteren Arbeit um therapeutische Unterstützung bei der Herausarbeitung der gehemmten aktiven Impulse geht oder ob im Hintergrund eine defizitäre Entwicklung mit einer traumatischen Erfahrung steht, die einer besonders behutsamen, nährenden und unterstützenden therapeutischen Begleitung bedarf.  

In diesem Fall findet keine biographische Therapiearbeit statt, vielmehr steht hierfür auf unserer Abteilung ein spezielles, stark ressourcenorientiertes Setting zur Verfügung, in dem vorwiegend stabilisierend unter Einbeziehung von psychoimaginativen Techniken, Bewegungs- und Körpertherapie und Entspannungsverfahren mit moderatem körperlichen Ausdauertraining gearbeitet wird.  

Unterstützt und begleitet wird unsere Arbeit durch kreativtherapeutische Zugänge: durch kreative Medien, die anregen zu kreativem Schreiben, zum Malen, durch Musiktherapie, die den Kontakt zu den eigenen Gefühlen wieder ermöglicht, und durch Bewegungstherapie, die Zugang zum eigenen Körperausdruck fördert. Diese kreativen Therapien helfen, an bereits bekannte Ressourcen anzuknüpfen oder neue zu erschließen und tragen dazu bei, Aktivitäten ganzkörperlich zu spüren.  

Ein weiterer wichtiger Ansatz in der Behandlung der depressiven Störungen ist die direkte körperliche Aktivierung. Allgemein bekannt ist, dass durch Jogging/Walking ebenso gute Effekte wie durch Psychopharmaka erreicht werden können, dies wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen. In unserer Abteilung stehen verschiedene sportliche Angebote zur Verfügung. Mit mehr leiblicher Wahrnehmung und dem Gefühl von mehr körperlicher Kraft hebt sich auch das allgemeine Energieniveau.  

Unser Gruppenkonzept kombinieren wir seit Jahren mit Erfolg mit speziellen Angeboten wie Männergruppe, Frauengruppe, Gruppe für Arbeitsplatzstörungen (Mobbing, Burnout u.a.). In diesen Indikationsgruppen werden im Rahmen der Behandlung spezifische Themen bearbeitet und Anregungen gegeben, wie mit dem bestimmten Symptomenkomplex gearbeitet werden kann. Diese Inhalte fließen jedoch wieder in die Kerngruppe zurück, um die verschiedenen Erfahrungen in den Gesamt-Therapieverlauf zu integrieren.  

Depressive Störungen - Abschlussphase  

Im Zentrum dieser Phase der stationären Psychotherapie steht die Orientierung auf die häusliche Realität im Vordergrund. Hier geht es zum einen um Zukunftsperspektiven, zum anderen aber um reale sozialmedizinische und sozialpädagogische Beratung in Bezug auf weitere ambulante Behandlungsmöglichkeiten sowie auch bei Bedarf um berufliche Rehabilitationsberatung.

Diese Phase schließt mit einer Abschlussdiagnostik ab. Verbunden ist damit eine Abschlussuntersuchung mit sowohl einer psychischen als auch einer körperlichen Befundung. Sie schließt ab mit der Herauslösung aus dem therapeutischen Kontakt über Abschlussrunden in der Gruppentherapie, Abschlussgespräche mit den Therapeuten sowie einer speziell konzipierten Abschlusssitzung mit der Abteilungsleitung.  

Haben Sie Interesse an weiteren Einzelheiten? Besuchen Sie doch unsere Homepage unter Integrative Gestalttherapie/Traumatherapie oder rufen Sie uns an. Unser Sekretariat gibt Ihnen unter den Nummern 05626 - 88 17 57 bzw. 88 18 65 gerne Auskunft.

B. Landgrebe 
 

Animationen animierte Augen

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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

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Aktualisiert: Juni 2010

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